Wie auf dem Weihnachtsmarkt Dresdner Handbrot

Hier erfahrt ihr wie ihr euch ganz einfach den Weihnachts- und Festivalklassiker selber machen könnt.

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Obwohl ich zu der Zeit dort studierte, habe ich mein erstes Dresdner Handbrot gar nicht in Dresden gegessen. Es war auf dem Highfield-Festival in Thüringen. Völlig ausgehungert und der Dosen-Ravioli überdrüssig sind wir auf's Festivalgelände und stolperten immer wieder selig lächelnden Leuten in die Arme, die dieses dicke gefüllte Brot in der Hand hielten. Von da an gab es keine andere Option: wir mussten nicht mehr irgendeine Nahrungsquelle ausfindig machen, sondern ebendiese! Nun ja, so schwer war's dann nicht. Wir mussten nur zum Stand mit der längsten Schlange (war ja klar), aber es hat sich gelohnt! Den Rest des Festivals verlangte es uns nach dem täglichen Handbrot, entweder mit Käse und Schinken oder mit Käse und Champignons gefüllt und natürlich mit dem Klecks kaltem Schmand drauf. Mega lecker!

Handbrot was ist das eigentlich?

Dieses kleine große Glück liegt in einem gefüllten Brot. Das dicke Brötchen besteht aus einem Brotteig in den ordentlich viel Käse eingeschlagen ist. Dem Käse werden entweder Schinken oder Champignons beigemengt. Das Ganze wird im Ofen gebacken und natürlich heiß serviert. Nicht nur obligatorisch, sondern den letzten Schritt zur Perfektion macht der dicke kalte Klecks Schmand aus und ein paar Krümel Schnittlauch. Willkommen im Festival-Food-Himmel!

Doch nach diesem langen seligen Wochenende kam der Entzug. Hatten wir in unserem jugendlichen Leichtsinn noch gedacht, wie privilegiert wir doch sind, dass wir in Dresden wohnen und von jetzt an jederzeit Dresdner Handbrot essen könnten, war das Erwachen nun böse. Die Leute von dem Stand kamen nicht aus Dresden, sondern von der Leipziger Brotmanufaktur. What? Sauber verarscht! Und wo kriegt man das jetzt in Dresden her? Gar nicht! Damals gab's das nur auf Festivals und erst später kamen die Stände auf dem Weihnachtsmarkt dazu (aber auch hier gibt es nur einen, der der Richtige ist!).

In unserem damaligen Dilemma haben wir nun Pläne geschmiedet. Dass wir jedes Wochenende auf Festivals fahren, gab das BAföG nicht her, sich einen der charmanten Jungs der Leipziger Brotmanufaktur anzulachen, hatten wir auf dem Festival versäumt (denn wir waren uns unser Annahme ja so sicher, als Dresdner), blieb die dritte Variante: Selbermachen. Praktischerweise ist man als Student ja mit so viel Freizeit gesegnet, wie nie wieder in seinem Leben (nur halt nicht mit Kohle, aber das kehrt sich später um, was einem genau so wenig bringt) und so trafen wir uns zum regelmäßigen Mittwochs-Mittwoch und probierten die richtige Rezeptur zu finden.

Nach einigen kläglichen Anläufen kamen wir der Sache näher und nach so einigen Backdurchläufen hatten wir das folgende Rezept ausgeklügelt, mit dem wir wirklich zufrieden sind.

Rezept für Dresdner Handbrot

Zutaten für ein Blech mit 12 Broten:

Für den Brotteig

  • 500 g Mehl (Typ 405) + etwas zum Kneten
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 TL Zucker
  • 2 TL Salz
  • 2 TL Sonnenblumenöl
  • 300 ml lauwarmes Wasser
  • 50 ml Wasser
  • 1/2 TL Salz

Für die Füllung

  • 75 g geriebener Gauda
  • 150 g geriebener Emmentaler
  • 150 g gewürfelter Schinken
  • 4 braune Champignons

Für das Topping

  • 100 g Schmand
  • frischer Schnittlauch
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung

Teig vorbereiten

  1. Backofen auf 50°C vorheizen.
  2. Für den Teig Hefe, Zucker, Salz und 1 TL Sonnenblumenöl mit dem lauwarmen Wasser verrühren und fünf Minuten ziehen lassen.
  3. Mehl durchsieben und das Hefegemische dazugeben.
  4. Alles mit der Küchenmaschine oder dem Mixer zu einem glatten Teig verarbeiten und dann auf einer bemehlten Arbeitsfläche noch einmal kräftig mit der Hand durchkneten.
  5. Eine große Schüssel mit 1 TL Sonnenblumenöl einstreichen und den Teig hineingeben. Abgedeckt für ca. eine Stunden in den vorgeheizten Ofen stellen und gehen lassen.

Füllung vorbereiten

  1. Schinkenwürfel in einer Pfanne ohne Fett anbraten.
  2. Champignons waschen und in kleine Würfel schneiden.

Teig ausrollen

  1. Teig aus dem Ofen nehmen.
  2. Ein Backblech mit Backpapier auslegen, den Teig darauf geben und ausrollen, bis er das gesamte Blech füllt.
  3. Den Gouda und den Emmentaler in einer Schüssel mischen.
  4. Backblech senkrecht drehen und die komplette rechte Hälfte mit der Käsemischung bestreuen.
  5. Jetzt auf der oberen Hälfte Schinkenwürfel und auf der unteren Hälfte Champignons über dem Käse verteilen. Ein paar Schinkenwürfel für das Topping übrig lassen.
  6. Die freie Seite des Teiges über die bestreute klappen und die Ränder gut zusammendrücken.
  7. Mit einem Messerrücken beliebig große Stücke einritzen, dabei aber den Teig aber NICHT DURCHSCHNEIDEN, sondern nur die obere Teigschicht leicht eindrücken.
  8. Jedes Stück auf der Oberseite leicht einschneiden und dann nochmal für ca. eine Stunde ruhen lassen.
  9. Kurz bevor die Stunde Ruhezeit um ist, den Backofen auf 200°C vorheizen.
  10. 50 ml Wasser und 1/2 TL Salz mischen und damit das Handbrot einpinseln.
  11. Anschließend ca. 25 Minuten im vorgeheizten Ofen backen.

Topping vorbereiten

  1. Schnittlauch in feine Ringe schneiden.
  2. Schmand mit Salz und Pfeffer würzen.
  3. Auf jedes Handbrot einen Klecks Schmand und etwas Schnittlauch geben. Die Handbrote mit Schinken-Füllung zusätzlich mit den restlichen Schinkenwürfeln bestreuen.

Fairerweise muss man sagen, dass es am Festivalstand der Leipziger Brotmanufaktur trotzdem immer noch am besten schmeckt, aber das ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Leute so sympathisch sind und, dass man Festivalfeeling nun mal nicht als Gewürz kaufen kann. Ich hoffe, ich kann dir mit meinem Rezept trotzdem helfen, denn wenn du hier gelandet bist, scheinen dir Weihnachtsmarkt und Festivalsommer auch nicht zu genügen um ein echtes Dresdner Handbrot zu essen. Ach ja...genau genommen, ist unser Rezept für Dresdner Handbrot das wirkliche Original, denn wir haben es schließlich in Dresden ausgetüftelt und nicht in Leipzig. :)